11.08.2006

Europäischer Dorferneuerungspreis 2006 geht an Holland

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt zum 9. Mal den Europäischen Dorferneuerungspreis – 30 Länder bzw. Regionen mit einem Projekt vertreten – Sieger: der niederländische Teilnehmer Koudum – zwölf weitere  Projekte mit Siegerqualitäten

 

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 ist entschieden: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 16 hochrangigen internationalen ExpertInnen hat nach einer intensiven Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung Anfang der Woche in München nach eingehender Beratung die Ortsgemeinde Koudum in den Niederlanden zum Sieger gekürt. „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, das das Wettbewerbsmotto „Wandel als Chance“ auf überzeugende und mehrfache Weise umgesetzt hat und dem Anspruch auf ganzheitliche, nachhaltige Entwicklung in herausragender Manier gerecht wird“, freut sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin  P r ö l l, Wien, in einer ersten Reaktion.

 

 

 

Das etwa 2750 EinwohnerInnen zählende Koudum ist Teil der Gemeinde Nijefurd und liegt im Südwesten der Provinz Friesland in unmittelbarer Nähe des Ijsselmeeres. Das einstmals agrarisch geprägte Dorf entwickelte sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Gartenbaudorf mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung und zu einem kommunalen behördlichen Zentrum. Eine Entwicklung, die 1984 mit der Gemeindegebietsreform ein jähes Ende nahm und Koudum nicht nur den Verlust seiner Funktion als Amtszentrum bescherte, sondern das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben äußerst negativ beeinträchtigte – dramatischer Rückgang der Arbeitsplätze, Wegbrechen von Dienstleistungseinrichtungen, Betriebsaufgaben, Abwanderung der Bevölkerung, leer stehende und verfallende Häuser und Geschäftslokale, keine Nachfrage nach Bauland ... 

 

Doch die Opferhaltung währte nur kurz. Bald regten sich da und dort kleine Initiativen,  schlossen sich BürgerInnen zu Gruppen zusammen, wuchs ein immer dichteres Netzwerk, das ein Ziel verband: Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung des Neubaugebietes „Morraplan“, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch die Stiftung „Trochgean“ – auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der Mut wurde belohnt und induzierte einen Wohnimpuls, der die Bevölkerungszahlen steigen und die Wirtschaftskraft wachsen ließ.

 

Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Maßnahmen und Projekten – aufbauend auf einem fundierten Zukunftskonzept und hohem Planungsniveau, getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen (Interessenverband  „Dorpsbelangen“, Unternehmerverein, Stiftung „Trochgean“), PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von Eigeninitiative, BürgerInnenengagement, Risiko-bereitschaft und nachhaltiger Orientierung – seien exemplarisch angeführt:

o        Unterstützung für Existenzgründer durch eine Stiftung, der örtlichen Mühle  und der Gartenbaubetriebe – auch im Hinblick auf ihre Identität stiftende Bedeutung

o        Erhalt der weiterführenden Schule durch räumliche und inhaltliche Verschränkung mit lokaler Radio- und Fernsehstation, Bibliothek, Jugendtreff und Musikschule

o        Erfolgreiches, kreatives Bemühen um Verbleib und Neuansiedlung wichtiger Dienstleistungseinrichtungen im sozialen,  kulturellen und touristischen Bereich

o        Verbesserung der Siedlungsentwicklung und des Ortsbilds sowie Umnutzung zahlreicher leer gefallener Gebäude, etwa zu einem Bildhauerzentrum und einer Pflegediensteinrichtung

o        Bedürfnis gerechtes Wohnen und Arbeiten für Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps sowie umfassende, qualitätvolle und menschengerechte Infrastrukturen für Senioren- und Kinderbetreuung

o        Abgeschlossene Planung zur Errichtung einer Biogasanlage durch eine Bauerngemeinschaft zur Energieversorgung eines neuen Wohngebietes und bewusste Nutzung von Naturschutzprogrammen als Entwicklungspotenzial

o        Entwicklungshilfepartnerschaft mit Tansania zum Know-how-Transfer und zur Errichtung einer Molkerei.

 

 

 

Den „Wandel als Chance“, so das Motto des Wettbewerbs um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006, haben neben Koudum auch alle anderen der insgesamt 30 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen begriffen und genutzt. Unter vielen guten Projekten wurden die elf Besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganz­heitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 14 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, vier über eine „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ freuen.

Die Preisverleihung erfolgt am 22. September 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt

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